PPWR für Amazon- & Shopify-Händler
PPWR-Leitfaden für Amazon-Händler und Online-Shops. Erfahren Sie, welche Verpackungsregeln gelten, EPR-Pflichten und wie Sie Sperrungen vermeiden.
PPWR für Amazon-Händler und Shopify-Verkäufer: Ihr Compliance-Leitfaden
Wenn Sie als PPWR Amazon Händler auf Amazon.de, Shopify oder einem anderen Marktplatz in die EU verkaufen, betrifft Sie die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) direkt. Die Verordnung (EU) 2025/40 ersetzt die alte Verpackungsrichtlinie und gilt unmittelbar in allen 27 Mitgliedstaaten. Für den PPWR Online-Handel Verpackung bedeutet das: ein einziges Regelwerk statt 27 verschiedener nationaler Umsetzungen.
Dieser Leitfaden erklärt, was die PPWR für Online-Verkäufer bedeutet, welche Verpackungen betroffen sind und was Sie konkret tun müssen.
Warum die PPWR für Marktplatz-Verkäufer entscheidend ist
Artikel 45 der PPWR verpflichtet Online-Marktplätze explizit, die Einhaltung durch ihre Verkäufer sicherzustellen. Das heißt: Amazon, eBay und andere Plattformen müssen kontrollieren, ob Sie als Verkäufer PPWR-konform sind. Bei Nicht-Einhaltung droht die Sperrung Ihrer Listings.
Dies ist keine theoretische Bedrohung. Amazon Deutschland setzt die VerpackG-Anforderungen bereits konsequent durch -- ohne LUCID-Registrierungsnummer werden Angebote unterdrückt. Die PPWR wird dieses Modell auf alle EU-Staaten ausweiten.
Welche Verpackungen sind betroffen? Alle.
Unter der PPWR zählt jede Verpackungsschicht, die Sie verwenden:
| Verpackungstyp | Beispiele | PPWR-pflichtig? |
|---|---|---|
| Verkaufsverpackung (primär) | Produktkarton, Flasche, Blisterpackung | Ja |
| Umverpackung (sekundär) | Kartonhülle um Mehrfachpackung | Ja |
| Transportverpackung | Versandkarton, Polybeutel | Ja |
| E-Commerce-Verpackung | Versandkarton für das Produkt | Ja |
| Füllmaterial | Luftkissen, Papier, Schaumstoff | Ja |
| Nebenelemente | Klebeband, Etiketten, Klammern | Ja |
FBA-Verkäufer: Keine Entwarnung
Wenn Sie Fulfillment by Amazon (FBA) nutzen, übernimmt Amazon den Versandkarton und das Füllmaterial. Sie bleiben jedoch für Ihre Produktverpackung verantwortlich -- also die Primär- und Sekundärverpackung, die im Amazon-Lager ankommt.
Für FBM-Verkäufer und Shopify-Händler, die selbst versenden, sind Sie für jede Schicht verantwortlich.
Die 50%-Leerraum-Regel für E-Commerce
Ab dem 1. Januar 2030 darf Transport- und E-Commerce-Verpackung maximal 50% Leerraum aufweisen. Füllmaterial zählt dabei nicht als Füllung -- das Produkt selbst muss mindestens 50% des Verpackungsvolumens einnehmen.
Für Online-Händler bedeutet das:
- Übergroße Kartons für kleine Produkte werden nicht mehr erlaubt sein
- Sammelbestellungen mit mehreren kleinen Artikeln in einem großen Karton sind problematisch
- Sie müssen Ihre Verpackungsgrößen an Ihre Produkte anpassen
- Eine Verpackungsgrößenauswahl wird zur Pflicht
EU-Bevollmächtigter: Pflicht für Nicht-EU-Verkäufer
Verkäufer mit Sitz außerhalb der EU (USA, UK, China usw.) müssen einen in der EU ansässigen Bevollmächtigten benennen. Ohne diesen Bevollmächtigten ist Ihre Verpackung per Definition nicht konform -- unabhängig davon, ob sie alle technischen Anforderungen erfüllt.
Der Bevollmächtigte:
- Muss in der EU ansässig sein
- Fungiert als Kontaktperson für Marktüberwachungsbehörden
- Muss schriftlich bevollmächtigt sein
- Sein Name und seine Kontaktdaten müssen auf der Verpackung oder über einen QR-Code zugänglich sein
EPR-Registrierung: Erweiterte Herstellerverantwortung
Als Amazon-Händler in Deutschland kennen Sie die EPR-Pflichten bereits durch das VerpackG und die LUCID-Registrierung. Die PPWR harmonisiert und verschärft diese Pflichten EU-weit.
Sie müssen sich in jedem EU-Land registrieren, in das Ihre Produkte geliefert werden:
- Deutschland: LUCID-Register + Systembeteiligungsvertrag (z.B. Der Grüne Punkt, Interseroh, BellandVision)
- Frankreich: Registrierung bei einem zugelassenen PRO (CITEO, Leko usw.)
- Italien: CONAI-Registrierung
- Spanien: Registrierung bei einem autorisierten SCRAP
- Weitere Märkte: Jeweilige nationale Anforderungen prüfen
Die Meldepflichten umfassen Verpackungsmengen nach Material und Gewicht. Die Gebühren variieren: Kunststoff ist am teuersten, Papier/Karton am günstigsten.
Durchsetzung durch Marktplätze
Gemäß Artikel 45 der PPWR müssen Online-Marktplätze:
- Überprüfen, ob Verkäufer gültige EPR-Registrierungen haben
- EPR-Registrierungsnummern in Produktlistings anzeigen
- Listings von nicht-konformen Verkäufern entfernen
- Mit nationalen Behörden bei der Durchsetzung kooperieren
Amazon hat dieses Modell in Deutschland bereits mit dem VerpackG umgesetzt. Tausende Händler erlebten über Nacht Listing-Sperrungen, als Amazon die Durchsetzung aktivierte. Dasselbe Szenario wird sich EU-weit wiederholen.
Ihr Compliance-Aktionsplan
Schritt 1: Verpackungsinventar erstellen
Listen Sie jede Verpackungskomponente auf:
- Produktverpackung (Kartons, Beutel, Behälter)
- Schutzverpackung (Luftpolsterfolie, Schaumstoff, Seidenpapier)
- Versandverpackung (Versandtaschen, Kartons)
- Füllmaterial (Luftkissen, Packpapier)
- Nebenelemente (Klebeband, Etiketten)
Erfassen Sie für jede Komponente: Material, Gewicht, Abmessungen, Lieferant.
Schritt 2: Konformitätserklärung (DoC) für jede Verpackung
Jede Verpackungseinheit auf dem EU-Markt benötigt eine Konformitätserklärung. Diese bestätigt die Einhaltung von:
- Stoffbeschränkungen (Schwermetalle, PFAS-Grenzwerte)
- Recyclingfähigkeitsanforderungen (ab 2030)
- Mindestanteile an Recyclingmaterial (für Kunststoffverpackungen, ab 2030)
- Kennzeichnungsanforderungen
Schritt 3: EPR-Registrierungen vornehmen
Beginnen Sie mit Deutschland (LUCID), dann erweitern Sie auf weitere Märkte. Wenn Sie bereits im LUCID-Register sind, prüfen Sie, ob Ihre Angaben aktuell sind und alle Verpackungsarten abgedeckt werden.
Schritt 4: Bevollmächtigten benennen (falls außerhalb der EU)
Nicht-EU-Verkäufer müssen einen EU-Bevollmächtigten benennen und dessen Kontaktdaten auf der Verpackung oder digital zugänglich machen.
Schritt 5: 50%-Leerraum-Regel planen
Prüfen Sie Ihr Verpackungs-Produkt-Verhältnis. Wenn eine Versandkonfiguration mehr als 50% Leerraum aufweist:
- Verschiedene Kartongrößen anbieten
- Verstellbare Verpackungssysteme einsetzen
- Sammelbestellungen neu konzipieren
Schritt 6: Kennzeichnung implementieren
Neue harmonisierte Kennzeichnungsanforderungen kommen. Verpackungen müssen enthalten:
- Materialidentifikation
- Sortierhinweise für Verbraucher
- QR-Code mit weiteren Informationen
Wichtige Fristen für Online-Händler
| Datum | Anforderung |
|---|---|
| 11. August 2025 | PPWR tritt in Kraft |
| 12. August 2026 | Konformitätserklärung erforderlich |
| 12. August 2026 | EU-Bevollmächtigter für Nicht-EU-Verkäufer |
| 2030 | 50%-Leerraum-Grenze für E-Commerce-Verpackungen |
| 2030 | Recyclingfähigkeits- und Rezyklatziele |
Warten Sie nicht auf die Durchsetzung
Die Erfahrung mit dem VerpackG hat gezeigt: Als Amazon die Durchsetzung scharf schaltete, verloren tausende Händler über Nacht ihre Listings. Die PPWR wird dasselbe Muster folgen -- aber in allen 27 EU-Staaten gleichzeitig.
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