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guides10 Min. LesezeitComplydex

PPWR für Amazon- & Shopify-Händler

PPWR-Leitfaden für Amazon-Händler und Online-Shops. Erfahren Sie, welche Verpackungsregeln gelten, EPR-Pflichten und wie Sie Sperrungen vermeiden.

PPWR für Amazon-Händler und Shopify-Verkäufer: Ihr Compliance-Leitfaden

Wenn Sie als PPWR Amazon Händler auf Amazon.de, Shopify oder einem anderen Marktplatz in die EU verkaufen, betrifft Sie die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) direkt. Die Verordnung (EU) 2025/40 ersetzt die alte Verpackungsrichtlinie und gilt unmittelbar in allen 27 Mitgliedstaaten. Für den PPWR Online-Handel Verpackung bedeutet das: ein einziges Regelwerk statt 27 verschiedener nationaler Umsetzungen.

Dieser Leitfaden erklärt, was die PPWR für Online-Verkäufer bedeutet, welche Verpackungen betroffen sind und was Sie konkret tun müssen.

Warum die PPWR für Marktplatz-Verkäufer entscheidend ist

Artikel 45 der PPWR verpflichtet Online-Marktplätze explizit, die Einhaltung durch ihre Verkäufer sicherzustellen. Das heißt: Amazon, eBay und andere Plattformen müssen kontrollieren, ob Sie als Verkäufer PPWR-konform sind. Bei Nicht-Einhaltung droht die Sperrung Ihrer Listings.

Dies ist keine theoretische Bedrohung. Amazon Deutschland setzt die VerpackG-Anforderungen bereits konsequent durch -- ohne LUCID-Registrierungsnummer werden Angebote unterdrückt. Die PPWR wird dieses Modell auf alle EU-Staaten ausweiten.

Welche Verpackungen sind betroffen? Alle.

Unter der PPWR zählt jede Verpackungsschicht, die Sie verwenden:

Verpackungstyp Beispiele PPWR-pflichtig?
Verkaufsverpackung (primär) Produktkarton, Flasche, Blisterpackung Ja
Umverpackung (sekundär) Kartonhülle um Mehrfachpackung Ja
Transportverpackung Versandkarton, Polybeutel Ja
E-Commerce-Verpackung Versandkarton für das Produkt Ja
Füllmaterial Luftkissen, Papier, Schaumstoff Ja
Nebenelemente Klebeband, Etiketten, Klammern Ja

FBA-Verkäufer: Keine Entwarnung

Wenn Sie Fulfillment by Amazon (FBA) nutzen, übernimmt Amazon den Versandkarton und das Füllmaterial. Sie bleiben jedoch für Ihre Produktverpackung verantwortlich -- also die Primär- und Sekundärverpackung, die im Amazon-Lager ankommt.

Für FBM-Verkäufer und Shopify-Händler, die selbst versenden, sind Sie für jede Schicht verantwortlich.

Die 50%-Leerraum-Regel für E-Commerce

Ab dem 1. Januar 2030 darf Transport- und E-Commerce-Verpackung maximal 50% Leerraum aufweisen. Füllmaterial zählt dabei nicht als Füllung -- das Produkt selbst muss mindestens 50% des Verpackungsvolumens einnehmen.

Für Online-Händler bedeutet das:

  • Übergroße Kartons für kleine Produkte werden nicht mehr erlaubt sein
  • Sammelbestellungen mit mehreren kleinen Artikeln in einem großen Karton sind problematisch
  • Sie müssen Ihre Verpackungsgrößen an Ihre Produkte anpassen
  • Eine Verpackungsgrößenauswahl wird zur Pflicht

EU-Bevollmächtigter: Pflicht für Nicht-EU-Verkäufer

Verkäufer mit Sitz außerhalb der EU (USA, UK, China usw.) müssen einen in der EU ansässigen Bevollmächtigten benennen. Ohne diesen Bevollmächtigten ist Ihre Verpackung per Definition nicht konform -- unabhängig davon, ob sie alle technischen Anforderungen erfüllt.

Der Bevollmächtigte:

  • Muss in der EU ansässig sein
  • Fungiert als Kontaktperson für Marktüberwachungsbehörden
  • Muss schriftlich bevollmächtigt sein
  • Sein Name und seine Kontaktdaten müssen auf der Verpackung oder über einen QR-Code zugänglich sein

EPR-Registrierung: Erweiterte Herstellerverantwortung

Als Amazon-Händler in Deutschland kennen Sie die EPR-Pflichten bereits durch das VerpackG und die LUCID-Registrierung. Die PPWR harmonisiert und verschärft diese Pflichten EU-weit.

Sie müssen sich in jedem EU-Land registrieren, in das Ihre Produkte geliefert werden:

  • Deutschland: LUCID-Register + Systembeteiligungsvertrag (z.B. Der Grüne Punkt, Interseroh, BellandVision)
  • Frankreich: Registrierung bei einem zugelassenen PRO (CITEO, Leko usw.)
  • Italien: CONAI-Registrierung
  • Spanien: Registrierung bei einem autorisierten SCRAP
  • Weitere Märkte: Jeweilige nationale Anforderungen prüfen

Die Meldepflichten umfassen Verpackungsmengen nach Material und Gewicht. Die Gebühren variieren: Kunststoff ist am teuersten, Papier/Karton am günstigsten.

Durchsetzung durch Marktplätze

Gemäß Artikel 45 der PPWR müssen Online-Marktplätze:

  1. Überprüfen, ob Verkäufer gültige EPR-Registrierungen haben
  2. EPR-Registrierungsnummern in Produktlistings anzeigen
  3. Listings von nicht-konformen Verkäufern entfernen
  4. Mit nationalen Behörden bei der Durchsetzung kooperieren

Amazon hat dieses Modell in Deutschland bereits mit dem VerpackG umgesetzt. Tausende Händler erlebten über Nacht Listing-Sperrungen, als Amazon die Durchsetzung aktivierte. Dasselbe Szenario wird sich EU-weit wiederholen.

Ihr Compliance-Aktionsplan

Schritt 1: Verpackungsinventar erstellen

Listen Sie jede Verpackungskomponente auf:

  • Produktverpackung (Kartons, Beutel, Behälter)
  • Schutzverpackung (Luftpolsterfolie, Schaumstoff, Seidenpapier)
  • Versandverpackung (Versandtaschen, Kartons)
  • Füllmaterial (Luftkissen, Packpapier)
  • Nebenelemente (Klebeband, Etiketten)

Erfassen Sie für jede Komponente: Material, Gewicht, Abmessungen, Lieferant.

Schritt 2: Konformitätserklärung (DoC) für jede Verpackung

Jede Verpackungseinheit auf dem EU-Markt benötigt eine Konformitätserklärung. Diese bestätigt die Einhaltung von:

  • Stoffbeschränkungen (Schwermetalle, PFAS-Grenzwerte)
  • Recyclingfähigkeitsanforderungen (ab 2030)
  • Mindestanteile an Recyclingmaterial (für Kunststoffverpackungen, ab 2030)
  • Kennzeichnungsanforderungen

Schritt 3: EPR-Registrierungen vornehmen

Beginnen Sie mit Deutschland (LUCID), dann erweitern Sie auf weitere Märkte. Wenn Sie bereits im LUCID-Register sind, prüfen Sie, ob Ihre Angaben aktuell sind und alle Verpackungsarten abgedeckt werden.

Schritt 4: Bevollmächtigten benennen (falls außerhalb der EU)

Nicht-EU-Verkäufer müssen einen EU-Bevollmächtigten benennen und dessen Kontaktdaten auf der Verpackung oder digital zugänglich machen.

Schritt 5: 50%-Leerraum-Regel planen

Prüfen Sie Ihr Verpackungs-Produkt-Verhältnis. Wenn eine Versandkonfiguration mehr als 50% Leerraum aufweist:

  • Verschiedene Kartongrößen anbieten
  • Verstellbare Verpackungssysteme einsetzen
  • Sammelbestellungen neu konzipieren

Schritt 6: Kennzeichnung implementieren

Neue harmonisierte Kennzeichnungsanforderungen kommen. Verpackungen müssen enthalten:

  • Materialidentifikation
  • Sortierhinweise für Verbraucher
  • QR-Code mit weiteren Informationen

Wichtige Fristen für Online-Händler

Datum Anforderung
11. August 2025 PPWR tritt in Kraft
12. August 2026 Konformitätserklärung erforderlich
12. August 2026 EU-Bevollmächtigter für Nicht-EU-Verkäufer
2030 50%-Leerraum-Grenze für E-Commerce-Verpackungen
2030 Recyclingfähigkeits- und Rezyklatziele

Warten Sie nicht auf die Durchsetzung

Die Erfahrung mit dem VerpackG hat gezeigt: Als Amazon die Durchsetzung scharf schaltete, verloren tausende Händler über Nacht ihre Listings. Die PPWR wird dasselbe Muster folgen -- aber in allen 27 EU-Staaten gleichzeitig.

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